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Strahlentherapie (Radiotherapie)

Bei einer Strahlentherapie zerstört ionisierende Strahlung Tumorzellen – oder bremst deren Wachstum. 50 bis 60 Prozent aller Krebspatienten werden im Laufe der Behandlung bestrahlt
von Ulrich Kraft, 13.09.2013

Bei der Strahlentherapie ist äußerste Präzision wichtig

iStock/Snowleopard1

Energiereiche ionisierende Strahlen wie die Röntgenstrahlung können Zellen so stark schädigen, dass sie absterben. Diesen Effekt nutzen Ärzte bei der Strahlentherapie, um Krebs zu bekämpfen. Ziel der auch Radiotherapie genanten Methode ist, bösartige Tumoren entweder vollständig zu zerstören oder zumindest zu verhindern, dass sie weiter wachsen.

Kombination mit anderen Behandlungsmethoden

Neben Operation und Chemotherapie ist die Strahlentherapie ein weiteres wichtiges Standbein in der Behandlung von Krebserkrankungen. Um eine noch bessere Wirkung zu erzielen, kombinieren Ärzte die Methoden oft miteinander. Welche Bedeutung das Verfahren besitzt, zeigt sich daran, dass etwa die Hälfte aller Krebspatienten im Laufe ihrer Erkrankung eine Strahlentherapie erhält.

Ionisierende Strahlung kann die DNA schädigen

Panthermedia/Kirsty P.

Wie wirkt eine Strahlentherapie?

Die Strahlentherapie macht sich zunutze, dass Krebszellen auf energiereiche Strahlung empfindlicher reagieren als gesundes Gewebe. Generell bremsen die bei der Radiotherapie verwendeten ionisierenden Strahlen das Wachstum von Zellen, indem sie in unserem Organismus einen elementaren Prozess unterbinden: die Zellteilung. Viele Zellen des Körpers leben nur eine begrenzte Zeit. Deshalb müssen sie kontinuierlich ersetzt werden. Dies geschieht durch Zellteilung. Ob und wann eine Zelle sich teilt, steuert der Zellkern.

Dort befindet sich auch unsere Erbsubstanz – die DNA. Bei der Zellteilung wird die DNA zuerst kopiert und dann auf die beiden neu entstandenen Tochterzellen verteilt, die damit in ihren Zellkernen wiederum identische Erbinformationen haben. Diesen Vorgang stören ionisierende Strahlen. Sie können die Struktur der DNA so verändern, dass eine Zelle nicht mehr in der Lage ist, sich zu teilen.

Unterschied von gesunden Zellen und Krebszellen

Allerdings besitzen Zellen Reparatursysteme, die kleinere Defekte und Veränderungen der DNA wieder beheben. Diese Reparaturmechanismen arbeiten in gesundem Gewebe wesentlich effektiver als in Tumorgewebe. Den Unterschied nutzt die Strahlentherapie.

Die ionisierenden Strahlen greifen gesunde Zellen zwar ebenso an wie Krebszellen, doch sie gesunde Zellen können sich davon deutlich besser erholen. Im Tumorgewebe hingegen bewirkt die Bestrahlung, dass die Zellen sich nicht mehr teilen können oder absterben.

Bei Brustkrebs kommt oft nach einer brusterhaltenden Operation eine Bestrahlung in Frage

W&B/Kühn/bearb. Ibelherr

Wann wird die Strahlentherapie eingesetzt? Welche Ziele hat sie?

Durch moderne Techniken können Ärzte bösartige Tumoren sehr gezielt und präzise bestrahlen – wodurch das umliegende gesunde Gewebe so weit als möglich geschont wird. Allerdings spricht nicht jeder Krebs auf die ionisierenden Strahlen gleichermaßen an. Zu den Krebsarten, für die eine Radiotherapie in Frage kommt, gehören beispielsweise so häufige Leiden wie Brustkrebs, Prostatakrebs oder Darmkrebs.

Mit der Behandlung verfolgen die Ärzte allerdings unterschiedliche Ziele. Eine kurative Strahlentherapie soll den Krebs vollständig heilen. Statistiken zeigen, dass das auch oft gelingt. So ist die Radiotherapie bei circa 50 Prozent aller dauerhaften Tumorheilungen beteiligt – entweder als alleinige Behandlung oder in Kombination mit anderen Therapien wie etwa einer Operation.

Neoadjuvante und adjuvante Strahlentherapie

Bei einer neoadjuvanten Radiotherapie wird der Tumor vor einer Operation bestrahlt. Diese Behandlung kann die Krebsgeschwulst verkleinern, was dem Chirurgen die anschließende operative Entfernung erleichtert. Schließt sich die Bestrahlung an die Operation an, sprechen Mediziner von einer adjuvanten Strahlentherapie. Sie dient vor allem dazu, Krebszellen abzutöten, die möglicherweise noch im Körper verblieben sind.

Strahlentherapie zur Linderung von Leiden

Eine Strahlentherapie setzen die Ärzte aber auch oft bei fortgeschrittenen Krebsleiden ein, bei denen keine Heilung mehr möglich ist. Ziel ist dann, die Beschwerden zu lindern, das Leben des Patienten zu verlängern und seine Lebensqualität zu verbessern. Eine solche palliative Strahlentherapie kann beispielsweise Schmerzen durch Tochtergeschwülste (Metastasen) in den Knochen deutlich mildern.

Wie wird bestrahlt? Äußere und innere Bestrahlung

Die klassische und nach wie vor am häufigsten eingesetzte Form der Bestrahlung ist die äußere (externe) Strahlentherapie. Dabei befindet sich die Strahlenquelle außerhalb des Körpers des Patienten. Die Strahlung dringt dann an der zuvor festgelegten Körperstelle durch die Haut bis zum Tumor vor. Mediziner benutzen auch gerne das Synonym perkutane Strahlentherapie. Perkutan bedeutet "durch die Haut".

Als Strahlenquelle dienen dabei heute fast ausschließlich sogenannte Linearbeschleuniger. Sie können zwei Arten von ionisierender Strahlung erzeugen: Photonen und Elektronen. Letztere dringen nur wenige Zentimeter tief ins Gewebe ein und eignen sich deshalb gut, um bösartige Tumoren zu bestrahlen, die auf oder nahe an der Körperoberfläche liegen. Photonen hingegen können aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften auch tief ins Gewebe eindringen. Wie tief hängt davon ab, wie energiereich die Photonenstrahlung (Synonym: ultraharte Röntgenstrahlung) ist. Das lässt sich am Gerät einstellen. Die besonders energiereiche Photonenstrahlung setzen Strahlentherapeuten zur Behandlung tiefer liegender Tumoren ein.

Zur Bestrahlung wird die Prostata mit radioaktiven Stiften versehen

W&B/ Jörg Neisel

Bei einer Brachytherapie platzieren Ärzte die Strahlenquelle entweder direkt im Tumor oder in seiner unmittelbaren Umgebung. Sie befindet sich also im Körper des Patienten. Deshalb spricht man auch von einer inneren Bestrahlung. Als Strahlenquelle dienen dabei radioaktive Substanzen. Ein Beispiel für die Brachytherapie ist die Behandlung von Prostatakrebs mit Hilfe von kleinen radioaktiven Stiften – den sogenannten Seeds.

Was passiert vor einer Strahlentherapie?

Beschließen Arzt und Patient gemeinsam eine Strahlentherapie, ist der erste Schritt die Vorstellung bei einem Radioonkologen. Diese Fachärzte haben eine Weiterbildung für Strahlentherapie absolviert, um Bestrahlungen mit Linearbeschleunigern durchführen zu können. Fachärzte für Nuklearmedizin dürfen mit radioaktiven Stoffen arbeiten, und führen beispielsweise eine Radionuklidtherapie durch.

In einem ausführlichen Gespräch erklärt der zuständige Arzt seinem Patienten, mit welchem Ziel die Behandlung erfolgt. Er erklärt auch, wie die Therapie abläuft, was es dabei zu beachten gilt und welche Nebenwirkungen auftreten können. Bei diesem Gespräch kann der Patient natürlich auch Fragen stellen. Eventuell kann es helfen, sich die Fragen vorher zu notieren. Auch wenn dem Patienten später noch Fragen einfallen, sollte er diese mit seinem Arzt besprechen.

Wichtig ist außerdem, dass bei diesem Aufklärungsgespräch möglichst alle verfügbaren Behandlungsunterlagen vorliegen wie Arztbriefe, Operationsbericht, Röntgenbilder, Ergebnisse von bereits vorgenommenen Untersuchungen. Diese Informationen helfen dem zuständigen Arzt, die Bestrahlung optimal zu planen.

Je nach Bestrahlungsfeld werden Patienten zuweilen auch auf dem Bauch gelagert

iStock/Snowleopard1

Planung der Bestrahlung

Die Strahlendosis soll für den Tumor so hoch sein, wie es für die Behandlung notwendig ist. Andererseits sollte das umliegende, gesunde Gewebe von der schädigenden Wirkung der ionisierenden Strahlen weitestgehend verschont bleiben. Um dies zu gewährleisten, plant der Arzt heute die Bestrahlung mit Hilfe eines speziellen Computers. Hierfür wird zunächst mittels Computertomographie ein dreidimensionales Modell der zu bestrahlenden Körperregion erstellt. Dieses Modell aus Bilddaten ist die Grundlage für die Bestrahlungsplanung.

Anschließend wird die Therapie in der Regel noch simuliert. Dazu liegt der Patient in der vorgesehenen Bestrahlungsposition in einem speziellen Röntgengerät, das ähnlich wie ein Bestrahlungsgerät gebaut ist. Mit diesem Simulator kann der Arzt testen, ob das Zielgebiet – der Tumor – wirklich optimal erfasst wird.

Vor Beginn der Strahlentherapie erstellt der Radioonkologe einen individuellen Behandlungsplan, in dem die Strahlenart, die Dosierung und der zeitliche Ablauf festgelegt sind. Außerdem muss der Patient schriftlich einwilligen, dass er die Behandlung auch wünscht.

Wie läuft eine Strahlentherapie ab?

Der exakte Ablauf der Behandlung kann sich von Patient zu Patient unterscheiden. So gibt es je nach Art der Krebserkrankung unterschiedliche Bestrahlungspläne. Lediglich bei sogenannten radiochirurgischen Eingriffen erfolgt eine einmalige Bestrahlung. Ansonsten ist es fast immer so, dass der Radioonkologe die erforderliche Strahlendosis nicht auf einmal verabreicht, sondern auf mehrere Sitzungen verteilt. Dies hängt damit zusammen, dass gesunde Zellen sich von der schädigenden Strahlenwirkung besser und schneller erholen als Krebszellen. Die fraktionierte Bestrahlung, wie es in der medizinischen Fachsprache heißt, gibt dem gesunden Gewebe also Zeit, sich bis zur nächsten Sitzung zu erholen. Das verringert die Nebenwirkungen der Behandlung.

Bei der gebräuchlichsten Fraktionierung wird der Patient von Montag bis Freitag jeweils einmal täglich bestrahlt – über einen Zeitraum von insgesamt fünf bis acht Wochen. Die Wochenenden sind frei. Wird zwei- oder dreimal täglich bestrahlt, sprechen Strahlentherapeuten von einer Hyperfraktionierung. Sie kann bei manchen Tumoren sinnvoll sein. Bei anderen Krebsformen genügen hingegen weniger Sitzungen pro Woche (Hypofraktionierung).

Damit der Radioonkologe das Bestrahlungsgebiet bei den einzelnen Sitzungen immer wieder genau trifft, bringt er mit einer speziellen Farbe Markierungen auf der Haut des Patienten an. Wichtig ist, diese Markierungen nicht abzuwaschen, bevor die Strahlentherapie beendet ist.

Was passiert bei den einzelnen Behandlungssitzungen?

In den meisten Fällen wird eine Strahlentherapie ambulant durchgeführt. Der Patient kann also nach der Behandlung wieder nach Hause gehen. Eine Sitzung dauert in der Regel zwischen 15 und 45 Minuten. Den Großteil dieser Zeit nimmt die korrekte Lagerung und das Einstellen des Bestrahlungsgeräts in Anspruch. Die Bestrahlung selbst dauert nur wenige Minuten. Währenddessen muss das medizinische Personal den Behandlungsraum verlassen, das schreibt die Strahlenschutzverordnung vor. Der Patient hat aber über ein Fenster Sichtkontakt zum Arzt und kann in der Regel auch über eine Gegensprechanlage mit ihm kommunizieren.

Ganz wichtig ist, sich während der Bestrahlung nicht zu bewegen. Schon kleinste Veränderungen der Körperposition können dazu führen, dass die Strahlen den Tumor nicht mehr optimal treffen und stattdessen das umliegende gesunde Gewebe schädigen. Besonders kritisch ist das beispielsweise bei der Strahlentherapie eines Hirntumors.

Vollkommen still zu liegen, sei es nur für ein paar Minuten, ist aber für viele Menschen nicht möglich. Aus diesem Grund fixieren die Ärzte manchmal den Patienten, beziehungsweise die zu bestrahlende Körperregion. Das ist zwar oft nicht gerade angenehm, schützt aber gesunde Organe und trägt maßgeblich zum Erfolg der Behandlung bei. Von der Bestrahlung selbst spürt der Patient während der Therapiesitzung nichts. Nach der letzten Sitzung untersucht der Arzt seinen Patienten noch einmal und führt mit ihm ein ausführliches Abschlussgespräch. Dabei geht es beispielsweise um Hautpflege, notwendige Kontrolluntersuchungen und Empfehlungen zur künftigen Lebensweise.

Welche akuten Nebenwirkungen hat eine Strahlentherapie?

Mit modernen Linearbeschleunigern und einer computergestützten Planung können Radionkologen heutzutage bösartige Tumoren sehr präzise bestrahlen und das gesunde Gewebe weitgehend schonen. Dadurch ist die Radiotherapie nicht nur wirksamer, sondern auch besser verträglich als noch vor zehn Jahren. Ganz vermeiden lassen sich Nebenwirkungen aber nicht. Allerdings sind die akut auftretenden Beschwerden meist nur vorübergehend und klingen nach Therapieende rasch wieder ab.

Ob Nebenwirkungen auftreten und in welchem Maß hängt von verschiedenen Faktoren ab: der verabreichten Strahlendosis, der bestrahlten Region, dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Hinzu kommt, dass nicht jeder Mensch gleich auf die Strahlung reagiert. Prinzipiell unterscheiden Ärzte akute Nebenwirkungen, die sich während der Strahlentherapie bemerkbar machen, von Spätreaktionen.

Müdigkeit und Abgeschlagenheit sind die häufigsten allgemeinen unerwünschten Effekte, unter denen Patienten bei einer Radiotherapie akut leiden. Örtliche Nebenwirkungen treten nur in der bestrahlten Region auf. So kann es im Bestrahlungsfeld zu Hautreizungen kommen, die einem Sonnenbrand ähneln. Übelkeit, Durchfall und Erbrechen sind mögliche Begleiterscheinungen einer Strahlenbehandlung des Verdauungstraktes, Entzündungen der Schleimhaut im Mund oder der Speiseröhre von Bestrahlungen der Kopf-Hals-Region.

Die Hautbereiche, die im Bestrahlungsfeld waren, sollte man besonders sorgfältig pflegen

W&B/Christine Schneider

Welche Spätfolgen einer Strahlentherapie können auftreten?

Spätreaktionen kommen erst nach Monaten bis Jahren zum Tragen. Dazu können beispielsweise Verfärbungen der Haut und Verhärtungen im Unterhautfettgewebe gehören. Bestrahlte Haut ist außerdem unter Umständen empfindlicher als früher und braucht mehr Pflege. Auch Irritationen der Haut, beispielsweise durch Sonnenstrahlung, können sich stärker bemerkbar machen. Wunden in dem ehemaligen Bestrahlungsfeld heilen eventuell nicht mehr so gut und werden leichter chronisch. Deshalb sollte man bei medizinischen Maßnahmen in dem Bereich – wie Blutabnahmen oder Physiotherapie – die Ärzte oder Krankenpfleger über die frühere Bestrahlung informieren.

Ebenso können Drüsen und Schleimhäute sehr empfindlich werden, wenn sie von der Bestrahlung betroffen waren. Auch innere Organe können mit Veränderungen reagieren und vernarben, wodurch unter Umständen das Organ nicht mehr so gut funktioniert wie vorher. Deshalb sollten Nutzen und Risiken besonders gut abgewogen werden, wenn bei einer Strahlentherapie die Mitbestrahlung eines Organs unvermeidlich ist.

Kann eine Strahlentherapie nicht auch selbst Krebs auslösen? Diese Frage stellen sich nicht wenige Patienten. Untersuchungen zeigen, dass dieses Risiko im Vergleich zum Nutzen der Behandlung gering ist. Falls der Kranke sich deshalb trotzdem unsicher fühlt, sollte er seinen Arzt darauf ansprechen.

Unsere Experten: Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Quellen:
1. Deutsche Krebshilfe: Die blauen Ratgeber – Strahlentherapie. Stand 3/2012
2. Sautter M-L, Bamberg M: Strahlen für das Leben, 5. überarbeitete Auflage, DEGRO (Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.) 2008
3. Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.: Strahlenbehandlung. Online:
http://www.degro.org/jsp_public/cms/index.jsp?top=25&left=1 (Abgerufen am 23.8.2013)
4. Deutsches Krebsforschungszentrum – Krebsinformationsdienst: Strahlentherapie Nuklearmedizin. Online: 
http://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/strahlentherapie.php (Abgerufen am 23.08.2013)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: W&B/ Jörg Neisel, iStock/Snowleopard1, W&B/Christine Schneider, Panthermedia/Kirsty P., W&B/Kühn/bearb. Ibelherr
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